Computergeschichte(n) - Nicht nur für Nerds

Computergeschichte(n) – Mein erster Kontakt mit dem Internet

Aus gegebenen Anlass meines bevorstehenden neuen Buches „Computergeschichte(n) – Nicht nur für Nerds„, welches am 23. Oktober beim Rheinwerk Verlag erscheint, will ich hier mal die Gelegenheit nutzen und in Erinnerungen schwelgen, wie ich den zum ersten Mal mit dem Internet in Berührung gekommen bin. Leser in meinem Alter werden diese Geschichte bereits kennen oder haben sie vielleicht auch ganz anders erlebt. Das Folgende ist daher aus meiner Sicht betrachtet.

Meinen ersten Kontakt zu einem Onlinedienst hatte ich damals mit BTX (Bildschirmtext) Mitte der 80er Jahre. Ich hatte selbst noch keinen (Heim-)Computer und besuchte immer einen guten Freund, der damals schon den C64 sein Eigen nennen durfte. Gewöhnlich verabredeten wir uns immer zum Spielen. Meistens wurden die Joysticks mit wilden Aktionen in den Spielen Summer Games, Winter Games oder California Games bearbeitet. Eines Tages war es anders. Auf dem Tisch befand sich das Telefon, dessen Hörer direkt auf ein anderes Gerät gelegt war, das sowohl den Hörer als auch das Mikrofon des Telefons mit seiner Form auffasste. Seltsames Konstrukt, dachte ich mir. Er sagte mir, mit dem Gerät könnten wir online gehen. Ich verstand zunächst nur Bahnhof und konnte mir wenig unter »online gehen« vorstellen.

Als er es mir vorführte, war meine erste Frage, ob das eine Art Teletex sei. Letztendlich sah es fast wie Teletex aus, das man von TV-Geräten her kannte. Wenn ich mich heute zurückerinnere, war dieser Dienst ein Vorgänger des Webbrowsings noch vor dem WWW. Vorwiegend konnte man über BTX Informationen abrufen (konnte man mit Teletex auch), und man konnte auch Waren per Versandhandel von Otto kaufen (konnte man mit Teletex nicht). Es gab auch Bahnpläne, und es konnten Flüge gebucht werden. Später wurde damit sogar Onlinebanking gemacht. Auch Chats waren damit möglich. Leider war der Spaß damals auch unverschämt teuer. Neben den Anschlussgebühren und Nutzungsgebühren kamen noch Entgelte der Anbieter der Seiten hinzu. Diese konnten pro Seite oder pro Onlineminute abgerechnet werden. Der teure Dienst wurde zunächst von der Post und später von der Telekom angeboten.

So richtig online gegangen mit einem echten Webbrowser und echten Webseiten bin ich erst mit Windows 95 und dem Internet Explorer. Ich denke mir, das war auch die Zeit, in der das Internet in Deutschland anfing zu boomen. Zwar habe ich zur Einwahl damals keinen Akustikkoppler mehr benötigt, aber dafür habe ich ein 56K-Modem gebraucht, um überhaupt auf das Internet zugreifen zu können. Ich habe dafür immer ein 7 Meter langes Kabel durch die ganz Wohnung zum Telefonanschluss gezogen. Mit einer Einwahlnummer und einem Code wählte man sich ein. Unvergessen sind die Einwahlgeräusche, die das Modem in den nächsten fast 30 Sekunden bei der Einwahl machte. »Da Düt Düt, Piep … Chrrrrrrrrrrrr.« Auch unvergessen bleibt, dass Familie und Freunde anrufen wollten und mittlerweile schon wussten, dass man wieder online war – mit der Nutzung des Modems war auch das Telefon belegt, und niemand konnte mehr telefonieren. Streit mit Mitbewohnern, die telefonieren wollten, gehörte zur Tagesordnung. ISDN hatte ich damals noch nicht.

Abgesehen vom schlechten Gewissen, die Telefonleitung zu besetzen, surfte man damals für bares Geld. Eine Flatrate gab es noch nicht. Das war oftmals gar nicht so spaßig, da man mit der Geschwindigkeit des Modems häufig wirklich der Webseite bei ihrem Aufbau zusehen konnte, während sie geladen wurde. Bei Bildern sah man zunächst einen Platzhalter, der so nach und nach mit dem eigentlichen Bild gefüllt wurde. Am Ende des Monats kam dann mit der Telefonrechnung oft die böse Überraschung.

Auch die Suchmaschinen waren zunächst nur rudimentär ausgestattet. Meine erste Suchmaschine war damals Altavista. Etwas später kam dann Fireball. Oftmals fand man interessante Links in Computerzeitschriften und probierte diese dann aus. Oder man folgte bei einer Website den vielen Hyperlinks, bis man eine interessante Seite fand. Viele Websites boten zu dieser Zeit auch »weiterführende Links« zum Thema an. Man teilte Links mit Freunden, Familie oder Kollegen. In gewisser Weise verlor man sich darin regelrecht, weil man das WWW noch selbst entdecken und man immer wieder einen Schatz finden konnte. Via Message-Boards konnte man sich mit der ganzen Welt austauschen. Später kamen dann auch erste Chaträume hinzu, in denen man in Echtzeit mit anderen Menschen kommunizieren konnte.

Als die ersten Versandhändler wie Amazon ihre Pforten im WWW öffneten, musste man sich erst mal Gedanken machen, ob man dem Shop vertrauen konnte. Dasselbe galt auch für eBay. Aber die Hemmschwelle sank schnell, und der Kommerz über das Internet wurde recht schnell zur Normalität.

Wie ein Brandbeschleuniger für den Internetboom in Deutschland wirkte dann auch die AOL-Werbung von Boris Becker im Jahr 1999 mit dem legendären Spruch »Bin ich schon drin?«. Auf einmal war Deutschland wirklich »drin« im Internet.

Share my article